Krumm und gut!

Krumm und gut!

Der Erlebnisbauernhof Gertrudenhof hat sich im Laufe der letzten 10 Jahre komplett von Vermarktung über die Obst- und Gemüsegroßmärkte gelöst und baut jetzt sein komplettes Obst und Gemüse für die Vermarktung über den eigenen Hofladen an. Statt 4-6 Kulturen wachsen nun wieder über 30 Kulturen (oft in mehreren Sätzen) auf den Feldern des Hofes, so dass das ganze Jahr Erntezeit auf dem Hürther Familienbetrieb ist. Frisch vom Feld geerntet gelingt es mittlerweile nahezu die gesamte Ernte zu vermarkten, also auch die Herzkartoffeln, die krummen Gurken und die Äpfel mit den kleinen Schönheitsfehlern; so sind die kleinsten Kartoffel als Bratlinge in einer schönen Tüte verpackt genauso oft ausverkauft wie die „dicken Dinger vom Gertrudenhof“, die beliebten XXL-Grillkartoffeln, die beide wegen Über- oder Untergröße im Lebensmitteleinzelhandel nie angekommen wären.

Durch den Anbau in kleinen Mengen sind mehrere Erntegänge z. B. beim Kohlgemüse möglich, so dass immer nur das geerntet wird, was bereits optimal ausgereift ist, so werden signifikant Ernteverluste gemindert, da bei den sonst üblichen 1-2 Erntegängen nach dem Rasenmäherverfahren sowohl die etwas frühreifen, wie auch die etwas später reifenden Kohlköpfe früher stehen blieben. Und wenn doch einmal zum Spätherbst der letzte nicht winterharte Kohl von den Feldern geholt werden muss, können auch die etwas kleiner gewachsenen Köpfe mittlerweile mitgeerntet und vermarktet werden, denn im eigenen Hofladen darf und soll das Gemüse ruhig einmal unterschiedlich groß sein; die Großfamilie freut sich ganz besonders über den preiswerten extra groß gewachsenen Wirsing, die alleinstehende Oma über den kleinen Mini-Rotkohl; diese Vielfalt begeistert nicht nur die Kunden und schont deren Geldbeutel, sondern hilft auch zusätzlich aktiv mit, dass nicht daheim die Reste eines viel zu großen Kohls im Müll landen.

Eröffnung des Fairteilers

Eröffnung des Fairteilers

Doch auch wenn wir so mittlerweile „zu klein“ , „zu groß“ und „zu krumm“ vermarkten kommt es immer noch dazu, dass im Bauernmarkt Obst und Gemüse aussortiert werden muss, weil der Kunde es auch zu einem reduzierten Preis nicht mehr kauft: Doch auch die Radieschen mit dem welk gewordenen Grün oder die Kartoffel mit der maschinellen Erntebeschädigung landet auf dem Gertrudenhof nicht im Müll: seit 2013 bereits steht auf dem Hürther Erlebnishof der deutschlandweit 1. Foodsharing FairTeiler auf einem Bauernhof; in einem Kühlschrank wird den Hofbesuchern und Mitarbeitern des Hofes all das kostenlos angeboten, was im Hofladen keinen Käufer mehr finden würde; darüber hinaus sind auch unsere Partnerhöfe und Großhändler bereits für unseren FairTeiler sensibilisiert und liefern oft auch ihre Überschüsse einfach mit, um diese dann auf unserem Hof zu Fair-teilen; auf diese Weise werden täglich etwa eine halbe Palette Lebensmittel gerettet und gleichzeitig die Hofbesucher aufmerksam gemacht auf die wunderbare Plattform foodsharing.de bei der sich durch diesen Erstkontakt auf unserem Hof nicht wenige bereits auch privat angemeldet haben.

Auch unser neu entstandener Bereich der Schlemmerstationen bietet eine wunderbare Möglichkeit auch noch die Spargelschalen zu köstlicher Suppe zu verarbeiten oder Ernteüberschüsse zu köstlichen Gerichten zu verarbeiten, ganz nach dem Motto: frisch vom Feld, regional und saisonal direkt auf den Tisch!

Hofführung mit Schülern

Hofführung mit Schülern

Um diese Art des Wirtschaftens für unsere Kunden transparent zu machen und sie dafür zu begeistern sind wir seit Jahren sehr aktiv im Bereich Bildung für Nachhaltigkeit: Jahr für Jahr besuchen mehr Schulklassen und Kindergärten unseren Hof – 2014 waren es über 1000 Hofführungen – bei denen wir den Kindern nicht nur Natur und Tiere nahe gebracht haben, sondern auch Tag für Tag versuchen sie spielerisch zu kleinen Botschaftern des nachhaltigen Umgangs mit Lebensmitteln zu machen, wofür wir bereits als „offizielles Projekt der UN-Weltdekade für nachhaltige Bildung“ ausgezeichnet wurden.

Große Auswahl im Hofladen

Große Auswahl im Hofladen

Außerdem ist uns die Vernetzung mit Vereinen und Organisationen wie Slow Food, Taste of Heimat und vielen weiteren wichtig, woraus in der Vergangenheit viele spannende Aktionen entstanden sind, wie z. B. die erste Bauernhof-Schnippelparty, bei denen ebenfalls unsere Hofbesucher durch Freude und ohne erhobenen Zeigefinger aufmerksam gemacht wurden auf den Wahnsinn der Lebensmittelverschwendung; „Lokal denken, global handeln“ ist die Botschaft, die wir unseren Kunden mitgeben möchten, der Erfolg unseres Konzeptes bescheinigt uns die Bereitschaft und das Interesse unserer Kunden und sollte auch viele weitere Höfe ermuntern andere Wege zu gehen und sich dem System des (globalen) Handels zumindest weitestgehend zu entziehen und sich wie wir für eine nachhaltige Landwirtschaft einzusetzen, bei der es selbstverständlich ist Lebensmittel nicht zu verschwenden.