Die Berliner Bio‐Supermarktkette unterstützt das foodsharing‐Projekt. Gemeinsam mit den Akteuren will das Unternehmen gegen Lebensmittelverschwendung

Knapp 82 Kilo Lebensmittel wirft jeder Bundesbürger pro Jahr in den Müll, obwohl sie noch genießbar wären. Nicht zuletzt machte die Aufklärungsaktion „Teller statt Tonne“ von Bundesverbraucherministerin Aigner auf vermeidbare Lebensmittelverschwendung aufmerksam. Auch die Berliner BIO COMPANY will jetzt intensiver gegen Essen im Müll vorgehen. „Mein Ziel ist es, möglichst wenig in die Tonne zu schmeißen“, so Geschäftsführer Georg Kaiser. Und unterstützt daher unter anderem das foodsharing‐Projekt, eine interaktive Plattform für den Austausch von übrig gebliebenen Lebensmitteln.

Geschäftsführer Georg Kaiser

Geschäftsführer Georg Kaiser

Selbst in einem Biosupermarkt fällt überschüssige Ware an. Zwar kaufte die erste Öko‐Generation der 80er Jahre in ihren grünen Lädchen noch die schrumpeligsten Karotten aus Solidarität auf. Doch heutige Bioladenkunden achten auf eine frische und auch optisch ansprechende Ware. Lebensmittel, die nicht mehr so schön anzusehen sind, müssen Bioläden daher als nicht verkaufsfähige Ware aussortieren.

„Nicht verkaufsfähig ist bei uns aber nicht gleichbedeutend mit Müll. Wir verwenden diesen Terminus nicht“, erläutert Georg Kaiser, Geschäftsführer der BIO COMPANY den Umgang mit der Ware. „Es heißt nur, dass wir eine andere Verwendung für die Lebensmittel finden müssen. Die Waren sind dennoch verzehrfähig.“, so Kaiser. Auch wenn bei den Filialen keine größeren Mengen anfallen, stellt sich die Frage nach dem Umgang damit.

Dies tut man bei der BIO COMPANY sehr bewusst: Es wird nach einem Mehrstufensystem vorgegangen. Zunächst hebt man das Angebot doch noch mal an den Kunden heran. Je nach Artikel wird teils schon vier Tage vor Ablauf des Verfallsdatums eine Reduzierung von 20 Prozent vorgenommen. Am Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) reduziert die BIO COMPANY dann auf 50 Prozent. Vielen Verbrauchern ist mittlerweile bewusst: Mindesthaltbarkeitsdatum ist nicht gleich Verfallsdatum. Es heißt nur, dass der Hersteller bis zu diesem Zeitpunkt die Güte und Frische seiner Ware garantieren muss. Viele Lebensmittel sind aber auch nach dem Ablauf des MHD noch gut. Und so kauft der Kunde

noch einen guten Teil der übrig gebliebenen Ware. Verschenkt, geteilt, gewürdigt: nichts geht verloren Wird die Ware nicht mehr verkauft, dürfen sich auch die Mitarbeiter noch etwas nach Bedarf aussuchen. Dies klingt selbstverständlich – ist aber nicht überall Usus. Viele Lebensmittel‐Einzelhändler verbieten das aus Angst vor Manipulationen.

Anschließend stellt die BIO COMPANY die Waren sozialen Organisationen zur Verfügung wie beispielsweise der Berliner Tafel, der Kirchengemeinde, dem „Verein für Obdachlosenarbeit“, oder den Organisationen Wildwasser sowie Laib und Seele. Ebenso gibt man abgeschriebenes Brot an Tierheime ab.

Was an verzehrfähiger Ware übrig bleibt, darf sich beispielsweise auch Raphael Fellmer mit seinen Lebensmittelrettern von foodsharing abholen. Dafür werden eigens Lebensmittelretter‐Ausweise ausgestellt. Grundsätzlich fallen bei der Bio Company aber auch keine größeren Mengen an übrig gebliebener Ware an. Neben dem Mehrstufensystem hängt dies vor allem damit zusammen, dass bereits beim Einkauf maßvoll bestellt wird. Es wird also bereits zu Anfang der Kette auf einen sorgsamen Umgang mit Mengen geachtet.

(V.l.n.r.): Ute Bandemer, Fillialleiterin der BIO COMPANY Rindermarkthalle Hamburg,

(V.l.n.r.): Ute Bandemer, Fillialleiterin der BIO COMPANY Rindermarkthalle Hamburg,
Bodhi Neiser, Felicia Chmela, beide Botschafter für foodsharing Hamburg

BIO COMPANY unterstützt foodsharing von Anfang an um viele Verbraucher für das Thema zu sensibilisieren, unterstützt die Berliner BIO COMPANY das foodsharing‐Projekt bereits seit der Crowdfunding‐Phase und hat damit viel Pionierarbeit geleistet. So wurde die BIO COMPANY der erste Bio‐Supermarkt Partner des ehrgeizigen Vorhabens.

Neben einem finanziellen Beitrag von 2.000 Euro und der Versorgung mit abgeschriebenen Lebensmitteln geht es vor allem um ideelle Unterstützung. Über die Internetplattform foodsharing können die Menschen verabreden, wo sie abgeschriebene Ware abholen können, damit nicht mehr so viel in der Tonne landet. „Es ist Zeit, dass den Menschen bewusster wird, wie viele Lebensmittel weggeworfen werden.“, findet Geschäftsführer Georg Kaiser. „Eine Überproduktion von Lebensmitteln geht immer zu Lasten der Umwelt – und nicht zuletzt auch der Tiere.“, begründet er sein Engagement. „Wir müssen zu mehr Würdigung des Essens zurückkehren und zur Wertschätzung gegenüber Bauern, Tieren und der Natur. Lebensmittel nicht in die Tonne zu werfen, sondern respektvoll zu verwerten, ist ein erster Weg dahin. Wenn ich übrig gebliebenes Essen ganz einfach auf foodsharing oder per App mobil einstellen kann ‐ und die Leute holen das ab, dann haben wir schon viel gewonnen.“, so Kaiser.